Inhalt der Ausgabe Nr. 6 / 2000:
1. Gemeldete
Unfaelle mit Pflegebetten: 15 Faelle mit Todesfolge
2. Kein Interesse an
"Sicherheit im Gesundheitsdienst"
3. Super GAU- Ausfall
saemtlicher Beatmungssysteme im Krankenhaus
4. ZGV:
Bestandsverzeichnis fuer das Rohrleitungssystem?
5. Personalwechsel
und Personalmangel im BMG
6. Neue
Strahlenschutzverordnung und Roentgenverordnung
BfArM:
Meldepflichtige Vorkommnisse mit Pflegebetten:
Unfaelle mit Pflegebetten: 15 Faelle mit Todesfolge
In der Zeit von 1998 bis 2000 hat das Bundesinstitut fuer Arzneimittel und
Medizinprodukte nach Ausfuehrungen von Herrn Dr. Neumann (BfArM) 15
"Vorkommnisse" mit Todesfolge und eine groessere Anzahl mit Verletzten
und "Beinahe-Vorkommnissen" auf Grund von Fehlfunktionen mit
Pflegebetten registriert. Dabei wurden sieben Todesfaelle, die unter den
Problembereich "Mechanische Fehlfunktion" (Einklemmen, Herausfallen)
fielen und acht Todesfaelle, bei denen Braende im Bereich der Antriebssysteme
von elektrisch betriebenen Pflegebetten als Ursache vermutet werden, gemeldet.
Eine genaue Analyse der Todesfaelle war nicht immer moeglich bzw. ist noch nicht
abgeschlossen. Wir bleiben dran!
(vgl. auch: www.lagetsi.berlin.de/lagetsi/fb/fb2/bett03.htm
oder www.ambb.de)
AMDlicher Tipp: Elektrisch betriebene Pflege- und Krankenhausbetten sind
Medizinprodukte im Sinne des MPG; es gilt die Betreiberverordnung (MPBetreibV).
Ausserdem muss der Betreiber die Vorschriften zur wiederkehrenden Pruefung nach
Unfallverhuetungsvorschrift VBG 4 (jetzt BGV A3) in Verbindung mit DIN VDE 0751
(E) "Wiederholungspruefung von medizinischen elektrischen Geraeten und
Systemen" beachten. (Fragen? Tel.: 030/264960-19, A. Spier)
Internationales
Kolloquium abgesagt:
Kein Interesse an "Sicherheit im Gesundheitsdienst"
Das Kolloquium "Sicherheit im Gesundheitsdienst - Medizintechnik,
Strahlung, Elektrizitaet" der Internationalen Vereinigung fuer Soziale
Sicherheit (IVSS), das eigentlich am 4. und 5. Oktober 2000 im Kongresszentrum
der Dortmunder Westfalenhallen haette stattfinden sollen, wurde wegen zu
geringer Voranmeldungen (< 100) abgesagt. (Info: Tel: 0221/3778-225)
Zentrale
Gasversorgungsanlage als Risikofaktor
Super GAU - Ausfall saemtlicher Beatmungssysteme
Wartungsarbeiten an der zentralen Gasversorgungsanlage (ZGV) waren vermutlich
die Ursache fuer den Ausfall saemtlicher Beatmungsgeraete in einem Krankenhaus.
Lediglich dem schnellen und umsichtigen Handeln des Personals ist es zu
verdanken, dass keine Personenschaeden eingetreten sind. Nach einer Information
des Berliner Landesamtes fuer Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische
Sicherheit (http://www.lagetsi.berlin.de/lagetsi/fb/medgas.htm
oder www.ambb.de) fuehrte der Anstieg des
Gasdruckes im Leitungssystem auf 7,5 bar dazu, dass alle angeschlossenen
Beatmungsgeraete ausfielen. Laut Norm (EN 740 bzw. EN 941-1) muessen Beatmungs-
und Narkosegeraete lediglich bis zu einem Ueberdruck von 6 bar fehlerfrei
arbeiten; die ZGV-Normen lassen einen Ueberdruck bis max. 10 bar zu.
AMDlicher Tipp: Dieses
Beinahe-Vorkommniss stellt eine vielfach unterschaetzte Stufe des Risikos dar,
dem in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Hier sind nicht nur
Betreiber und Anwender gefordert, sondern auch Hersteller, Normenausschuesse,
Benannte Stellen und zustaendige Behoerden. Spaetestens seit dem Y2K-Szenario
sollten jedoch Notfallplaene existieren, um das Risiko eines Personenschadens so
gering wie moeglich zu halten.
Zentrale
Gasversorgungsanlage als Medizinprodukt
Bestandsverzeichnissse fuer das Rohrleitungssystem im
Krankenhaus?
In Berlin ist die ZGV als AKTIVES Medizinprodukt in das Bestandsverzeichnis
aufzunehmen. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass in o.g. Zusammenhang § 4
MPBetreibV "Instandhaltung" und die sonstigen Vorschriften der
Betreiberverordnung einzuhalten sind. Andere Bundeslaender sehen in der ZGV KEIN
Medizinprodukt bzw. KEIN AKTIVES Medizinprodukt. Auf Grund der
divergierenden Aussagen sind einige Betreiber zunehmend verunsichert.
AMDlicher
Tipp: Den Betreibern solcher Anlagen wird dringend empfohlen, die
Kompatibilitaet (Kombinierbarkeit) zwischen ZGV und angeschlossenen
Medizinprodukten zu ueberpruefen bzw. eine Ueberpruefung durch den Hersteller
der ZGV zu veranlassen oder sich diese schriftlich bestaetigen zu lassen.
Dr.
Schorn verliess das Medizinprodukte-Referat
"Kapitulation" wegen Personalmangels?
Wie einem Bericht der Fachzeitschrift MTD 9/00 zu entnehmen ist, verliess
Ministerialrat Dr. Gert Schorn kuerzlich das Medizinprodukte-Referat im
Bundesgesundheitsministerium. Nachfolger wird Hans-Georg Will (frueher BfArM).
Herr Dr. Schorn habe seine Position als Leiter des Referates aufgegeben, da er
"wegen Personalmangels nicht mehr die Voraussetzung sah, um die
Verantwortung fuer diesen brisanten Bereich der Medizinprodukte zu tragen".
Personalmangel sei auch der Grund, warum das 2. Aenderungsgesetz zum MPG immer
noch nicht verabschiedet wurde (wir wagen die Prognose, dass damit nicht vor
Mitte 2001 zu rechnen ist).
Verstaerkte
Gesundheitsvorsorge im Strahlenschutz
Neue Strahlenschutzverordnung und Roentgenverordnung
Durch die Novellierung der Strahlenschutzverordnung und der Roentgenverordnung
soll nach Auffassung von Bundesumweltminister Trittin und dem Praesidenten des
Bundesamtes fuer den Strahlenschutz die Gesundheitsvorsorge im Strahlenschutz
weiter gestaerkt werden. Die Novellierungen haetten laut EURATOM-Vorgaben
bereits bis zum 13. Mai 2000 in nationales Recht umgesetzt werden muessen. Ueber
wesentliche Neuerungen berichten wir, sobald zu erkennen ist, dass diese in
Kraft treten werden.
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