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Medizinprodukte-Telegramm (1/2010)

Mit freundlicher Genehmigung der MediVision GmbH Berlin. Ohne Gewähr und Haftung.


Medizinprodukte-Telegramm (1/2010)
 
aktuell + + + unabhängig + + + kostenfrei
(Archiv und Anmeldung: http://www.medizintechnikportal.de/mailing.htm)

Erscheinungsdatum: 07. Februar 2010
Auflage: 3.973 Exemplare

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Liebe Leserinnen und Leser,

trotz schwieriger Rahmenbedingungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die MEDICA im November 2009 ein gelungenes 40-jähriges Jubiläum gefeiert. 138.000 Fachbesucher aus mehr als 100 Ländern und damit tausend mehr als im Vorjahr haben es sich in diesem Jahr nicht nehmen lassen, das weltweit mit Abstand wichtigste Medizintechnik-Ereignis des Jahres zu besuchen. Unter ihnen waren weit überdurchschnittlich viele Entscheidungsträger aus inländischen Kliniken, für welche die Bundesregierung bekanntlich mit dem Konjunkturprogramm II Investitionshilfen im Wert von deutlich über einer Milliarde Euro aufgelegt hat.

Ihr Redaktionsteam
Wolfgang Menke und Antonius Spier    


INHALTSÜBERSICHT

1. Klinische Prüfungsverordnung: Entwurf mit Begründung
2. Betreiberüberwachung: Aktueller Praxisbericht aus dem Land Berlin
3. Bundessozialgericht: Leistungspflicht der GKV für digitale Hörgeräte
4. Brachytherapie: Eine Studie soll nun endlich Klarheit schaffen
5. Elektronische Gesundheitskarte: Überfällige Korrekturen eingeleitet
6. Forschungsförderung: Spitzencluster und Assistenzsysteme für Alte
7. Medtech-Börse: Geratherm und Siemens Audiologische Technik
8. Twittern aus dem OP und andere Mängel beim Innovationstransfer
9. Ausstellungen: Reichhaltiges Angebot von Sonderveranstaltungen


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Alle Angaben ohne Gewähr, Irrtümer vorbehalten –


VORSCHRIFTEN

+ + + Klinische Prüfungsverordnung: Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums liegt vor + + +

Eine „Zweite Verordnung zur Änderung medizinprodukterechtlicher Vorschriften" soll die im Sommer 2009 neu gefassten Paragraphen 19 bis 24 des Medizinproduktegesetzes (MPG) mit einer „Verordnung über klinische Prüfungen mit Medizinprodukten" konkretisieren. Zudem wird eine dadurch notwendig gewordene Ergänzung in der Medizinprodukte-Sicherheitsplanverordnung und der Medizinprodukte-Gebührenverordnung vorgenommen. Nach den im März dieses Jahres in Kraft tretenden neuen Bestimmungen dürfen klinische Prüfungen und bestimmte Leistungsbewertungsprüfungen erst dann begonnen werden, wenn sie von der Ethik-Kommission zustimmend bewertet und von der zuständigen Bundesoberbehörde genehmigt wurden. Bei lediglich geringem Sicherheitsrisiko kann die zuständige Bundesoberbehörde von einer Genehmigung absehen, die Zustimmung einer Ethik-Kommission ist aber auch dann erforderlich (Begründung, A. Allgemeiner Teil, 2.). Diese Regelungen können übrigens auch für Prüfungen von Produkten gelten, welche
 bereits eine CE-Kennzeichnung besitzen, wenn
a) eine Erweiterung der Zweckbestimmung vorgesehen ist oder
b) bei Prüfungen der längerfristigen Leistungsfähigkeit entsprechender Medizinprodukte invasive oder anderweitig belastende Untersuchungen durchgeführt werden sollen.


+ + + Betreiberüberwachung: Zahlreiche Mängel, aber nur ganz wenige schwerwiegende + + +

Einen Praxisbericht der Betreiberüberwachung gab Cornelia Olbertz vom Berliner Gesundheitssenat auf der BVMed-Sonderveranstaltung „Das Medizinproduktegesetz in der praktischen Umsetzung“ im November in Bonn. Die Schwerpunkte lagen in Berlin 2008 und 2009 bei der Instrumentenaufbereitung in Kliniken und Arztpraxen sowie der Einhaltung der Betreibervorschriften in Krankenhäusern. Ergebnisse: Mängel wurden u.a. in 54 Prozent der Fälle festgestellt, allerdings nur in drei Prozent waren diese schwerwiegend. Bei der Überprüfung der Einhaltung der Betreiberpflichten in den Kliniken fehlte als häufigster Mangel oft die Dokumentation von Funktionsprüfungen und Einweisungen.


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HILFSMITTELRECHT

+ + + Bundessozialgericht: Kasse darf nahezu Ertaubte nicht auf Festbetrags-Hörgeräte verweisen + + +

Dieses Urteil ist eine schallende Ohrfeige für die Gesetzlichen Krankenkassen, insbesondere auch für deren Spitzenverband. Der 3. Senat des Bundessozialgerichts (BSG) hat am 17. Dezember 2009 abschließend entschieden, dass die Krankenkasse für die medizinisch notwendige Versorgung eines nahezu ertaubten Versicherten mit einem digitalen Hörgerät auch die über den Festbetrag hinausgehenden Kosten zu tragen hat (B 3 KR 20/08 R). Die Krankenkassen haben für die Versorgung mit solchen Hörgeräten aufzukommen, die nach dem Stand der Medizintechnik die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben. Daran müssen nach höchstrichterlicher Auffassung auch die Festbeträge ausgerichtet werden, was sich die Krankenkassen nun hinter die Ohren zu schreiben haben.

Arzt & Wirtschaft online:
http://www.auw.de/auw/newsDetail/newsid/23504

Medieninformation 59/09 des BSG:
http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?
Gericht=bsg&Art=ps&Datum=2009&nr=11286&pos=1&anz=60


TECHNIKBEWERTUNG

+ + + Brachytherapie: Studie soll Klarheit über Evidenz der Methode bringen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 17. Dezember 2009 in Berlin die Beratungen über die interstitielle Brachytherapie mit permanenter Seedimplantation beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ausgesetzt. Gleichzeitig wurde mit einer Anpassung der Verfahrensordnung der Weg freigemacht für die Durchführung einer vom GKV-Spitzenverband geplanten Studie mit zehnjähriger Laufzeit. Im Hinblick auf ein krankheitsfreies Überleben der Patienten konnten bislang aufgrund der unzureichenden Datenlage keine Belege für eine Überlegenheit der Brachytherapie im Vergleich zu anderen Behandlungsformen des Prostatakrebses wie zum Beispiel der operativen Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie), der externen Strahlentherapie oder der zunächst abwartenden aktiven Beobachtungsstrategie gefunden werden.


GESUNDHEITSTELEMATIK

+ + + Elektronische Gesundheitskarte: Überfällige Korrekturen eingeleitet + + +    

Die neue Bundesregierung will die elektronische Gesundheitskarte zwar nicht abschaffen, aber ihren Umfang zunächst stark einschränken und die Prioritäten anders setzen. Das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte sind nach den Vorstellungen von Minister Rösler erst einmal kein Thema. Zunächst sollen die Prioritäten bei der sicheren Verwaltung eher banaler Stammdaten liegen. Die Ärzte haben die Pläne des Ministers begrüßt, die Industrie und die Krankenkassen haben sie kritisiert. Anmerkung: Das Moratorium des Ministers ist zu begrüßen. Den bisherigen technikgetriebenen Lösungen mangelte es an Praxistauglichkeit und Sicherheit. Auch drohte sich das Projekt finanziell zu einem Fass ohne Boden zu entwickeln.

Arzt & Wirtschaft online: http://www.arztundwirtschaft.de/auw/newsDetail/newsid/23325


FORSCHUNGSFÖRDERUNG

+ + + Spitzencluster-Wettbewerb: Zu den Gewinnern gehört auch Nürnberger Medizintechnik-Cluster + + +

Am 26. Januar 2010 hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan die fünf Sieger der zweiten Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bekannt gegeben. Eine nach Ministeriumsangaben hochrangig besetzte und unabhängige Jury wählte die neuen Spitzencluster aus, in denen Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und verbundene Institutionen regional zusammenarbeiten. Zu den Gewinnern gehört auch die „Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg". Der auf Medizintechnik spezialisierte Cluster entwickelt interdisziplinär Technologien in Bereichen wie Bildgebende Diagnostik, Intelligente Sensorik und Augenheilkunde.


+ + + AAL: Noch mehr Fördermittel für häusliche und ambulante Assistenzsysteme + + +

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will die Fördergelder für das Forschungsfeld „Assistenzsysteme im Dienste des älteren Menschen" in diesem Jahr deutlich aufstocken. Im Regierungsentwurf des Haushalts 2010 ist eine Steigerung um 21 Millionen Euro auf insgesamt 30 Millionen Euro vorgesehen.

So genannte intelligente Assistenzsysteme wie
- Notruftechnik, die von selbst Hilfe holt,
- Bodenbeläge, die gefährliche Stürze erkennen und melden sowie sogar auch
- Roboter, die einem das Frühstück ans Bett bringen,
sollen älteren und hilfsbedürftigen Menschen die Chance auf ein sicheres Leben in den eigenen vier Wänden bieten, so die etwas platten Ausführungen in einer Mitteilung des Ministeriums.

Immerhin wird die Notwendigkeit eines gesamtgesellschaftlichen Dialogs eingeräumt, um herauszufinden, welche Technik ältere Menschen wirklich wollen. Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, fördert das BMBF in den nächsten drei Jahren auch eine breit angelegte, soziale und gesellschaftswissenschaftliche Begleitforschung, der auf diesem bisher sehr technikgetriebenen Gebiet hoffentlich mehr zukommt als lediglich eine Alibifunktion. Eine VDE-Trendstudie "MedTech 2020" sieht Deutschland bei Telemedizin und eHealth schon auf dem Weg zum globalen Innovationsführer.


WIRTSCHAFT/BÖRSE

+ + + Geratherm: Krise lässt den Thermometerhersteller kalt + + +

Die auf quecksilberfreie Fieberthermometer spezialisierte Geratherm Medical AG profitiert von Quecksilberverbot und Grippeangst. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat die Gesellschaft ihren Umsatz um fast 38 Prozent gesteigert, das Ergebnis pro Aktie sogar um 120 Prozent. Obwohl sich der Kurs der Aktie seit einem Jahr mehr als verdoppelt hat, ist die Aktie immer noch relativ niedrig bewertet.
 
Arzt & Wirtschaft online: http://www.arztundwirtschaft.de/auw/newsDetail/newsid/23230


+ + + Siemens: Hartnäckige Gerüchte um Verkauf der Hörgerätesparte + + +
In der Presse und an der Börse kursieren immer mehr Gerüchte zum Verkauf der Hörgerätetechnik des Münchener Konzerns. Siemens Audiologische Technik hat im letzten Jahr seine Marktführerschaft an die Schweizer Sonova verloren, soll aber immer noch recht profitabel sein. Als Interessenten werden neben einschlägigen Finanzinvestoren mit dem australischen Hörimplantate-Unternehmen Cochlear und der schweizerisch-amerikanischen Knochenimplantate-Gesellschaft Synthes auch zwei Firmen aus der Medtech-Branche genannt.    


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SAMMELSURIUM

+ + + Twittern aus dem OP: In den USA werden zunehmend Kurzmeldungen über den Verlauf von Eingriffen aus dem Operationssaal via „Twitter" verschickt, manche amerikanische Kliniken organisieren bereits regelrechte „Live-Übertragungen". Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit einer zeitnahen Information besorgter Angehöriger beobachtet die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie diesen Trend mit Unbehagen. Denn das Twittern im OP kann die Sicherheit der Patienten gefährden. Der Generalsekretär der Gesellschaft, Professor Dr. med. Hartwig Bauer, hat in diesem Zusammenhang kürzlich u.a. auch auf mögliche hygienische Probleme hingewiesen. Ob Angehörige tatsächlich über jedes Detail einer Operation unterrichtet werden wollen, hält der Experte für fraglich. Er bezweifelt, dass Kommentare wie etwa „Die Milz muss wegen einer schwer zu stillenden Blutung mit entfernt werden" für Außenstehende wirklich hilfreich sind. + + +

Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie:
http://www.thieme.de/presseservice/specials/dgch/meldungen/2009/twitter.html


+ + + Forderung nach verbessertem Innovationstransfer: Bereits 2009 ist eine neue Studie zur Umsetzung medizintechnischer Innovationen des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) erschienen. Die Gutachter bemängeln darin vor allem die bürokratische Ausgestaltung der Innovationsklausel zu “Neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden” (NUB-Verfahren) sowie das intransparente und restriktive Vorgehen der Krankenkassen in den NUB-Budgetverhandlungen. Insbesondere wird kritisiert, dass sich Ablehnungen häufig auf Stellungnahmen des Medizinischen Dienstes beziehen, ohne dass die entsprechenden Gutachten der MDK bzw. des MDS zugänglich sind und sich einer kritischen Überprüfung nicht stellen.+ + +

DK-Studie: „Anspruch und Realität von Budgetverhandlungen zur Umsetzung medizintechnischer Innovationen”
http://www.bvmed.de/stepone/data/downloads/48/ce/00/Gutachten_Innovationstransfer_NUB.pdf


AUSSTELLUNGEN

16. Oktober 2009 bis 14. April 2010, Wien, Technisches Museum
body.check - Hightech für unsere Gesundheit
http://www.tmw.at/default.asp?id=2771&cid=18&al=Deutsch

Katalog der ursprünglichen Ausstellung von 2006:
http://www.amazon.de/Computer-Medizin-Hightech-f%C3%BCr-Gesundheit-Lebensqualit%C3%A4t/dp/3506757172/ref=
sr_1_6?ie=UTF8&s=books&qid=1258234500&sr=8-6


21. Oktober 2009 bis 28. Februar 2010, Berliner Medizinhistorisches Museum
goldgefüllt und perlengleich, 300 Jahre Zahnheilkunde in Berlin
http://www.bmm.charite.de/aktuelles/zahn/zahnheilkunde.html

Die Ausstellung gewährt einen Blick auf den technisch-instrumentellen und institutionellen Fortschritt der Zahnheilkunde seit dem frühen 18. Jahrhundert. Sie stellt die Entwicklung von einem schlichten "Handwerk" zu einem angesehenen, wissenschaftlich fundierten Beruf unserer Tage mit seinen vielfältigen Spezialisierungen vor.


TERMINE

25. und 26. Februar 2010, Offenbach/Main
IT Networks in Hospital , 2nd International Symposium
http://www.vde.com/de/technik/vdemedtech/seiten/itnetworkinhospitals.aspx

8. März 2010, Köln
Rechtliche Grundlagen der Instandhaltung von Medizinprodukten
http://lga.de

9. März 2010, Köln
Sicherer Umgang mit Medizinprodukten in Altenpflegeheimen
http://lga.de

15. März 2010, Berlin
Rechtliche Grundlagen der Instandhaltung von Medizinprodukten
http://lga.de

20. April 2010, Stuttgart
Sicherer Umgang mit Medizinprodukten in Altenpflegeheimen
http://lga.de

5. Mai 2010, Stuttgart
Rechtliche Grundlagen der Instandhaltung von Medizinprodukten
http://lga.de

3. bis 5. Mai 2010, Würzburg
Würzburger Medizintechnik Kongress - WÜMEK
http://Vortragsanmeldung.wuemek.org 
http://Kongressanmeldung.wuemek.org 

20. Mai 2010, Nürnberg
Sicherer Umgang mit Medizinprodukten in Altenpflegeheimen
http://lga.de

1. Juli 2010, Berlin (Charité)
24. Treffpunkt Medizintechnik:
Intelligente Implantate und Prothesen - Entwicklungen in Medizin und Technik
http://tsbmedici.de

17. bis 20. November 2010, Düsseldorf
MEDICA 2010
Internationale Fachmesse mit Kongress
http://www.medica.de

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Redaktion:
Antonius Spier
Wolfgang Menke (verantwortlich)

Beirat:
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