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Medizinprodukte-Telegramm (4/2007)

Mit freundlicher Genehmigung der MediVision GmbH Berlin. Ohne Gewähr und Haftung.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das Medizinprodukterecht bleibt eine unendliche Geschichte, die auch auf der MEDICA 2007 für weitere Diskussionen sorgt. Auch weit mehr als zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt das Medizinproduktegesetz eine Baustelle.
Dabei sind die in diesem Jahr beschlossen Veränderungen weit mehr als lediglich Modernisierungs-Maßnahmen zur Anpassung an die technische und sonstige Entwicklung. Zum großen Teil ist es auch der Pfusch aus der Vergangenheit, der nun aufgearbeitet wird.
Das europäische Fundament muss wasserdicht gemacht werden, wesentliche konzeptionelle Lücken in der deutschen Umsetzung sind zu schließen. Die Überarbeitung der bisherigen Vorschriften des deutschen Medizinprodukterechts hatte auch das Ziel, weitere Klarstellungen für die praktische Umsetzung zu schaffen und zur Entbürokratisierung beizutragen. Das ist zum großen Teil gelungen, auch wenn die Auswirkungen auf den juristisch-bürokratischen Gesamtkomplex Medizinprodukterecht insgesamt als eher marginal anzusehen sind.
Auch gilt offenkundig: Neue Regelungen bedeuten auch neue Probleme bei der Auslegung und Anwendung. Bei deren Bewältigung dürften die Betreiber sowie ihre medizinischen und technischen Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter vermutlich wieder weitgehend auf sich allein gestellt sein, sei es nun wie jetzt noch ohne oder vielleicht schon bald mit einer Legaldefinition des Betreibers in der Betreiberverordnung.

Der erste Beitrag dieser Ausgabe behandelt die In-Haus-Herstellung. Sie heißt nun Eigenherstellung und ist auch in Zukunft bei Erfüllung verschiedener Voraussetzungen und Einhaltung bestimmter Auflagen erlaubt.

            
INHALTSÜBERSICHT

1. Deutsche Vorschriften: Eigenherstellung statt „In-Haus-Herstellung“
2. Europäische Vorschriften: Richtlinie zu elektromagnetischen Feldern verschoben
3. Aufbereitung: Umsetzung in den Praxen muss noch besser werden
4. Qualität: Dialyse-Richtlinie erfolgreich umgesetzt
5. Kosten/Nutzen: Medikamenten-beschichtete Stents häufig unwirtschaftlich
6. Innovation: Fortschritte und Innovationsallianz
7. Forschung: Mit dem Laser gegen Infektionen
8. Wirtschaft/Börse: Mit MeVis geht es aufwärts, mit Dräger bergab
9. Sonstiges: Artificial Organ Center Bern und Medizinregion Mittelhessen
10. Last not Least: Ehrung für Herrn Dr. von Nettelhorst

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VORSCHRIFTEN

+ + + MPG: Eigenherstellung statt „In-Haus-Herstellung“ + + +
Der bisher im Medizinproduktegesetz verwendete Begriff der „In-Haus-Herstellung“ für eine Herstellung „im eigenen Haus für das eigene Haus", die auf eine wörtliche Übersetzung der üblichen englischen Bezeichnung „in house manufacture“ zurückgeht, soll künftig sprachlich besser und inhaltlich treffender mit „Eigenherstellung“ bezeichnet werden: „Medizinprodukte aus Eigenherstellung sind Medizinprodukte einschließlich Zubehör, die in einer Gesundheitseinrichtung hergestellt und angewendet werden, ohne dass sie in den Verkehr gebracht werden oder die Voraussetzungen einer Sonderanfertigung erfüllen". Medizinprodukte aus Eigenherstellung benötigen keine CE-Kennzeichnung, die Gesundheitseinrichtung muss aber als „Eigenhersteller" die Konformität mit den Anforderungen hinreichend belegen und dokumentieren.

Ausnahme: In-vitro-Diagnostika sind dann keine Medizinprodukte aus Eigenherstellung und die Vorschriften über Eigenherstellung nicht anwendbar, wenn eine Herstellung im industriellen Maßstab erfolgt. Der Begriff „im industriellen Maßstab“ ist allerdings rechtlich nicht definiert (zusammenfassender Auszug aus M. Kindler/W. Menke: „Änderungen des deutschen Medizinprodukterechts" in der 1. Ergänzungslieferung des Loseblattwerkes Medizinproduktegesetz - MPG, ecomed-Verlag, Dezember 2007).


+ + + Richtlinie zu elektromagnetischen Feldern: EU-Kommission verschiebt Einführung wegen MRT + + +
Die Europäische Kommission hat Ende Oktober die Frist für die Einführung von Rechtsvorschriften über die Exposition von Arbeitnehmern gegenüber elektromagnetischen Feldern um vier Jahre verlängert, da sie sich auf den Einsatz von medizinischen Technologien wie etwa der Magnetresonanztomographie (MRT) hätten auswirken können. Die Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten, die Umsetzung auszusetzen.

Vorschlag der Europäischen Kommission zur Fristverlängerung:
http://ec.europa.eu/employment_social/news/2007/oct/emf_de.pdf
Ausführliche Pressemitteilung mit Erläuterungen:
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/07/1610&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en


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MEDICA 39. WELTFORUM DER MEDIZIN
Internationale Fachmesse mit Kongress

Düsseldorf, 14.-17. November 2007

MEDICA in Düsseldorf ist die mit mehr als 4.200 Ausstellern aus 65 Nationen weltweit führende Medizinmesse und thematisiert das Komplettangebot an Produkten, Systemen und Dienstleistungen für die ambulante und stationäre Versorgung. Hier können sich Aussteller mit ihrer Innovationskraft einem internationalen Publikum präsentieren. Rund 40 Prozent der 137.503 Besucher der MEDICA 2006 kamen aus anderen Ländern nach Deutschland.

Eine klare Gliederung nach Themen sowie die vielfältigen Möglichkeiten der Messevorbereitung -angeboten durch das MEDICA Portal – www.medica.de - sorgen für einen effektiven Messebesuch. Viele Entscheider kommen entsprechend gut vorbereitet zur MEDICA, um sich in ausführlichen Gesprächen mit den Ausstellern über neue Produkte zu informieren. Daher bietet die MEDICA allen Beteiligten des Gesundheitssystems eine Basis für Erfahrungsaustausch auf höchstem Niveau.

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AUFBEREITUNG

+ + + Umfrage des BMG: Mehr Umsetzungsprobleme in Praxen als in Kliniken + + +
Die Zwischenergebnisse einer Umfrage des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Aufbereitung von Medizinprodukten hat dessen Vertreter Dr. Matthias Neumann kürzlich auf einer MedInform-Konferenz vorgestellt. In den letzten Jahren hat sich das Wissen über die Problematik bei Betreibern und Anwendern deutlich verbessert. Damit sei in einigen Bereichen auch eine Verbesserung der Aufbereitungsqualität einhergegangen. Die rechtlichen Regelungen wurden nach einer ersten Einschätzung im Prinzip als ausreichend angesehen, die Überwachung durch die Landesbehörden beeinflusst die Umsetzung der Vorschriften maßgeblich. Auch wurde teilweise der Wunsch geäußert, die Einhaltung der RKI/BfArM-Empfehlungen rechtlich verbindlich zu machen und eine Art Negativliste von Produkten aufzustellen, die nicht aufbereitet werden können/dürfen. Der endgültige Bericht, der vermutlich auch Empfehlungen zum weiteren Vorgehen enthalten wird, soll im kommenden Jahr vorgelegt werden.

Ausführliche Mitteilung über die Konferenz zur Wiederverwendung von Medizinprodukten am 24. Oktober 2007 in Wiesbaden:
http://www.bvmed.de/presse/pressemitteilung/Konferenz_zur_Wiederverwendung_Medi_Kenntnisse_ueber_
Aufbereitungsvorschriften_in_Arztpraxen_weit_weniger_vorhanden_als_in_Klinken.html


QUALITÄT

+ + + Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse: Erfolgreich umgesetzt zum Nutzen für die betroffenen Patienten + + +
Die Medical Netcare GmbH (MNC) konnte kürzlich die ersten Quartalsberichte an die Dialyse-Einrichtungen und die Kassenärztlichen Vereinigungen übermitteln. Dazu wurden von über 47.000 Patienten anonymisierte Daten elektronisch erfasst, verarbeitet und statistisch ausgewertet, um die Behandlung von Dialysepatienten zu verbessern und einen kontinuierlichen Qualitätssicherungsprozess zu verankern.

Dialyse-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses in der ab Oktober 2007 gültigen Fassung:
http://www.g-ba.de/downloads/36-232-45/RL_QS-Dialyse-2007-07-19.pdf


KOSTEN / NUTZEN

+ + +  Medikamenten-beschichtete Stents: Nur bei bestimmten Hochrisiko-Patienten kostengünstig + + +    
Eine 18-monatige Wirtschaftlichkeitsstudie, die mit Medikamente freisetzenden Stents oder herkömmlichen Metallgittern versorgte Patienten untersuchte, räumt mit manchem gesundheitsökonomischen Vorurteil auf: Mit Medikamenten beschichtete Stents sind bei routinemäßigem Einsatz bei allen Patienten im Vergleich zu anderen anerkannten medizinischen Methoden nicht kostenwirksam. Lediglich in der Untergruppe der Hochrisiko-Patienten, bei denen kleine Gefäße oder Bypässe mit Stents versorgt werden und die etwa ein Drittel der untersuchten Patienten stellte, erwiesen sich Medikamente freisetzende Stents als kostenwirksam oder sogar Kosten sparend.

Englischsprachige Kurzfassung des wissenschaftlichen Artikels: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673607616602/abstract


INNOVATION

+ + + MEDICA PreView: Fortschritte in der Krebsdiagnostik und Krebstherapie + + +
Hightech in „Reinkultur" thematisierte im Rahmen der MEDICA PreView das auf Biotechnologie spezialisierte Unternehmen Eppendorf. Informiert wurde über Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Nachweises und der Charakterisierung von Tumorzellen im Blut und im Knochenmark. Diese können bereits in einem sehr frühen Stadium nachgewiesen werden, noch vor dem Befall von Lymphknoten. Die dafür notwendigen neuen Analysesysteme wird die Eppendorf AG auf der diesjährigen Medica vorstellen. Philips Medizin Systeme zeigte dann die neuen Möglichkeiten eines neuartigen offenen Hochfeld-Magnetresonanztomographen für die Krebstherapie. Bei der so genannten Mikrotherapie nutzen Ärzte bildgebende Verfahren, um den Weg feinster Werkzeuge wie beispielsweise Bestrahlungssonden zum Krankheitsherd unter weitestgehender Schonung des gesunden Gewebes zu verfolgen. „Dank der Bildqualität des MRT-Systems können wir minimalinvasive Eingriffe mit größerer Präzision durchführen. Durch die offene Bauweise haben wir außerdem den Vorteil des freien Zugangs zum Patienten", so Professor Jens Ricke vom Uniklinikum Magdeburg zu seinen ersten Erfahrungen mit dem neuen System.

Messe-Informationen und Unternehmens-Nachrichten:
http://www.medica.de

+ + + Molekulare Bildgebung: Innovationsallianz hat Arbeit aufgenommen + + +
Bildgebende Verfahren können mit maßgeschneiderten Tracern molekulare oder zelluläre Veränderungen sichtbar machen. Eine zukunftsweisende Rolle wird die Molekulare Bildgebung voraussichtlich bei der Diagnose altersbedingter oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen spielen. Bundesministerin Dr. Annette Schavan und die Vorstände bzw. Geschäftsführer der Unternehmen Bayer-Schering Pharma, Boehringer Ingelheim, Carl Zeiss, Karl Storz und Siemens haben am 9. Oktober 2007 in Berlin die Innovationsallianz Molekulare Bildgebung gestartet und die Technologie-Initiative MoBiMed angekündigt. Die Partner der Innovationsallianz werden gemeinsam 900 Millionen Euro in die Molekulare Bildgebung investieren.

Mitteilung des zuständigen Bundesministeriums:
http://www.bmbf.de/de/11267.php


FORSCHUNG

+ + + Mit dem Laser gegen Aids und Tbc + + +
Mit speziellen Laserimpulsen wollen Forschergruppen aus den USA gegen Infektionen vorgehen. Wenn die Wellenlänge und die Pulsdauer passend gewählt werden, soll es möglich sein, bestimmte Viren und Bakterien ohne zytotoxische Wirkung auf menschliche Zellen zu inaktivieren. Diese Technik könnte sehr nützliche Anwendungen ermöglichen, sowohl bei der Desinfektion als auch bei der Behandlung, denn die Erreger sind häufig gegen Medikamente nicht bzw. aufgrund von Resistenzen nicht mehr empfindlich.  

Abstract aus dem Journal of Physics, Condensed Matter:
http://www.iop.org/EJ/abstract/-ffissn=0953-8984/-ff30=all/0953-8984/19/47/472201


WIRTSCHAFT/BÖRSE

+ + + MeVis geht an die Börse + + +
Die Angebotsfrist für Aktien der MeVis Medical Solutions AG endet am 14. November 2007. Die MeVis-Gruppe entwickelt vor allem Software für die Computerunterstützung in der bildbasierten Medizin. Die Software dient dazu, die für therapeutische Interventionen erforderlichen Daten anzuzeigen und zu analysieren. Die Preisspanne ist zusammen mit den Konsortialbanken auf 55 bis 65 Euro je Aktie festgelegt worden. Die Mittel aus dem geplanten Börsengang sollen für das weitere Wachstum verwendet werden. Die erste Notierung im „regulierten Markt" an der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 16. November vorgesehen.  

Weitere Informationen und Download eines ausführlichen Wertpapierprospekts:
http://www.mevis.de

+ + + Dräger bleibt hinter den Zielen zurück + + +
Die Drägerwerk AG erwartet entgegen der bisherigen Annahme inzwischen ein Ergebnis, das den Vorjahreswert unterschreiten wird. Ursache dafür ist insbesondere das Medical-Geschäft in den USA, wo die geplanten Wachstums- und Ertragsziele voraussichtlich nicht erreicht werden. Der Vorstand erarbeitet derzeit für das kommende Jahr ein Reorganisationskonzept für Nordamerika. Der Kurs von Dräger ist seit Ende Oktober an der Börse von über 65 auf unter 50 Euro eingebrochen. die Aktie hat im letzten Monat über 30 Prozent ihres Wertes verloren. Auf der MEDICA zeigt der Lübecker Konzern in dieser Woche ein vielversprechendes System zur Elektroimpedanz-Tomographie, das die klinische Überwachung der Lungenfunktion um ein kontinuierliches Verfahren zur bildlichen Darstellung der Belüftung der Lunge bereichern wird.


SONSTIGES

+ + + Uni Bern bündelt Medizintechnologie im Artificial Organ Center + + +
Um ihre Position auf dem Gebiet der Medizintechnologie nachhaltig zu stärken, gründet die Universität Bern nun das „Artificial Organ Center for Biomedical Engineering Research (ARTORG Center)", das an der Medizinischen Fakultät angesiedelt und in der interdisziplinären Lehre, Forschung und Entwicklung tätig ist. Aufbau und Durchführung des wissenschaftlichen Programms werden durch elf neu geschaffenen Assistenzprofessuren gesichert.

Künstliche Organe im Fokus der Medizintechnologie (Mitteilung der Universität Bern):
http://www.kommunikation.unibe.ch/medien/mitteilungen/news/2007/artorg.html

+ + + Auch Mittelhessen bekommt nun ein Kompetenzzentrum + + +
Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch hat Ende Oktober mit der Übergabe des Förderbescheides bei der Firma Weiss Technik in Reiskirchen das mittelhessische Clustermanagement für Medizinwirtschaft „timm“ offiziell eröffnet. Zusätzlich wird das Land ein „Kompetenzzentrum Medizintechnik“ fördern und einen „Regionalfonds Mittelhessen“ auflegen. An der Fachhochschule Giessen-Friedberg soll 2009 ein „Kompetenzzentrum Medizintechnik“ mit einem Investitionsvolumen von ca. 6,7 Millionen Euro eröffnet werden. Ein Regionalfonds Mittelhessen mit Schwerpunkt Medizinwirtschaft, der mit zehn Millionen Euro ausgestattet ist, soll erste Beteiligungen bereits ab Anfang 2008 eingehen.


LAST NOT LEAST

+ + + Dr. von Nettelhorst ist Landessieger beim Mutmacher-Wettbewerb + + +
Der Teltower Medizintechnik-Entwickler Dr. Herwig von Nettelhorst, Gründer der getemed AG, wird von der Preisjury zum „Mutmacher" als Unternehmer ausgezeichnet, „der auch in Krisenzeiten nicht aufgibt und somit mutiges Vorbild für Deutschland ist". Als einer von 16 Kandidaten vertritt Herr Dr. von Nettelhorst jetzt Brandenburg im bundesweiten Finale. Die Wahl zum „Mutmacher der Nation" findet auf einer festlichen Gala am 28. November in Berlin statt.

Meldung auf der Seite der Mittelstandsiniative:
http://www.mutmacher-der-nation.de/index.php?typ=3&id=28&story=1010


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14. bis 17. November 2007, Düsseldorf
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