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Medizinprodukte-Telegramm (5/2007)

Mit freundlicher Genehmigung der MediVision GmbH Berlin. Ohne Gewähr und Haftung.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wir hoffen, dass bei dieser letzten Ausgabe des Jahres 2007 wieder die eine oder andere interessante Meldung für Sie dabei ist. Und wünschen Ihnen frohe Festtage und gutes neues Jahr.
Ihre Redaktion
    

INHALTSÜBERSICHT

1. Vorschriften: Änderung Vigilanzleitlinie 
2. Strahlenbelastung: Krebsrisiko CT
3. Kosten / Nutzen: Vakuumversiegelung ausgesetzt
4. Forschung: Tragbares Dialysegerät
5. Innovation: Kontaktloses EKG 
6. Wirtschaft / Börse: Carl Zeiss Meditec, Dräger und WaveLight
7. Sonstiges: Medica 2007, Medizintechnik-Hochschule Tuttlingen und Exzellenzakademie DFG 
8. Personalia: Professor Hämmerle und Professor Kalender
9. Das Allerletzte: Starker Tobak

Termine

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– Alle Angaben ohne Gewähr, Irrtümer vorbehalten –


VORSCHRIFTEN

+ + + Änderung der europäischen Vigilanzleitlinie ab 1. Januar 2008 + + +
Die Übergangsfrist für die Guideline MEDDEV 2.12-1 rev. 5 endet am 31.12.2007. Die Umsetzung dieser rechtlich nicht verbindlichen Leitlinie dürfte allerdings in den Mitgliedsstaaten recht unterschiedlich erfolgen. Die Änderungen betreffen u.a. die Kriterien und Fristen der Meldungen. Bei einem besonders hohen Gefährdungsgrad soll die Meldung in Zukunft unverzüglich erfolgen, allerspätestens innerhalb von zwei Kalendertagen. 
 
Englischsprachiges Dokument der Europäischen Kommission:
http://ec.europa.eu/enterprise/medical_devices/meddev/2_12_1-rev_5-2007.pdf

Folien eines Vortrages von Dr. Ekkehard Stösslein (BfArM) am 12. Oktober 2007 in Augsburg:
http://www.jura.uni-augsburg.de/forschung/fmpr/forumMPR3/Vortragspraesentationen/08-Stoesslein.pdf

Industrieforderung nach Sicherheitsbeauftragten in den Kliniken:
http://www.bvmed.de/presse/pressemitteilung/BVMed-Konferenz_zum_
Medizinprodukterecht_Marktueberwachung_muss_harmonisiert_werden.html


STRAHLENBELASTUNG

+ + + Hohes Krebsrisiko durch CT + + +
Viele Experten befürchten ein stark zunehmendes Krebsrisiko durch die Flut brillanter CT-Bilder. In einem Review-Artikel des New Yorker Radioonkologen David J. Brenner als Erstautor sind voraussichtlich 1,5 bis 2 Prozent aller künftigen Krebserkrankungen Spätfolgen des gegenwärtigen Booms bei den CT-Untersuchungen. Bei Kindern und Schwangeren solle die Untersuchung nach Möglichkeit vermieden werden. Die Strahlenbelastung werde in der Öffentlichkeit weit unterschätzt. Die meisten CT-Untersuchungen seien heute zwar unverzichtbar, doch durch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen und den Einsatz der strahlenfreien Kernspintomografie könnte in den USA etwa ein Drittel aller CT-Untersuchungen bei Erwachsenen überflüssig werden. 

Artikel von Brenner/Hall aus dem New England Journal of Medicine:
http://content.nejm.org/cgi/content/full/357/22/2277

Ausführliche Mitteilung dazu vom Deutschen Ärzteblatt:
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30632


KOSTEN / NUTZEN

+ + + Sichere Erkenntnisse zur Vakuumversiegelungstherapie fehlen + + +            
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine abschließende Entscheidung über den ambulanten Einsatz der Vakuumversiegelungstherapie ausgesetzt. Bei ihr handelt es sich um eine geschlossene Wundbehandlung mit großflächiger Ableitung über einen luftdicht abgedeckten und drainierten Schaumstoffverband, bei der eine Vakuumpumpe den nötigen Unterdruck erzeugt. Zunächst sollen mit Modellvorhaben aussagekräftige wissenschaftliche Ergebnisse darüber gewonnen werden, ob diese Therapieform bei schlecht heilenden Wunden überhaupt zu besseren Ergebnissen führt als die bereits zur Verfügung stehenden Standardverfahren. Der Beschluss wird zunächst vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geprüft und tritt erst nach Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft. 

Beschlusstext und Erläuterung dazu:
http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/zum-unterausschuss/1/


FORSCHUNG

+ + + Pilotstudie mit tragbarer künstlicher Niere + + +
Nephrologen des University College London versorgten im Rahmen einer Studie sechs Patienten, die wegen einer terminalen Niereninsuffizienz eine regelmäßige Dialyse benötigten, mit einem  neuen tragbaren Hämodialysegerät. Harnstoff- und Kreatin-Clearance und andere Werte waren zufrieden stellend, obwohl sie deutlich unter denen einer herkömmlichen Dialyse lagen. Durch eine längere Laufzeit wird es aber möglich sein, trotz geringerer Flussrate die gleiche oder sogar eine größere Menge Toxine aus dem Blut zu entfernen wie bei einer intermittierenden stationären Dialyse. Weitere umfangreiche Studien zur Verbesserung der medizinischen Wirksamkeit sowie zur Erhöhung der technischen Zuverlässigkeit und Sicherheit sind jedoch noch erforderlich.

Deutschsprachige Mitteilung der englischen Zeitschrift LANCET:
http://www.thelancet.de/artikel/914784

Übersichtsseite der amerikanischen Herstellerfirma:
http://www.xcorporeal.com/htmls/highlight.html

Informationen zur Patentanmeldung:
http://www.freepatentsonline.com/6960179.html


INNOVATION

+ + + Kontaktlose EKG-Ableitung bei Notfällen + + +                           
Das neue Verfahren basiert zwar auf der herkömmlichen EKG-Technologie, anders als bei der konventionellen Ableitung müssen aber die Elektroden nicht mehr aufwändig mit Kontaktgel oder Unterdruck an der Haut befestigt werden. „Unser berührungsloses EKG-System muss nur auf die Körperoberfläche gehalten werden, um die Herzfunktionen messen zu können", so Professor Meinhard Schilling, Leiter des Instituts für Elektrische Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik der Technischen Universität Braunschweig. Gleichzeitig sollen die Aufzeichnungen erheblich detaillierter sein als die bisherigen separaten Kurven.

Meldung mit zwei informativen Abbildungen:
http://www.medica.de/cipp/md_medica/custom/pub/content,lang,1/oid,23592/ticket,g_u_e_s_
t/local_lang,1/~/Kontaktloses_EKG-System_in_Notfaellen.html


WIRTSCHAFT / BÖRSE

+ + + CARL ZEISS MEDITEC: Der Jenaer Systemanbieter hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 bei Umsatz und Ertrag erneut zugelegt. Der Konzernumsatz kletterte um rund 46 Prozent. Neben einer gegenüber dem Vorjahr um zwei Cent angehobenen regulären Dividende in Höhe von 0,16 Euro ist zusätzlich eine einmalige Sonderausschüttung von 0,27 Euro je Aktie vorgesehen.

+ + + DRÄGER: Der von der Hauptversammlung der Drägerwerk AG im Mai 2007 beschlossene Wechsel in die Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien unter der Firma Drägerwerk AG & Co. KGaA ist am 14. Dezember 2007 in das Handelsregister eingetragen worden und damit wirksam. Die Maßnahme soll den finanziellen und operativen Handlungsspielraum des Konzerns erweitern.

+ + + WAVELIGHT: Die Erlanger Gesellschaft hat mit Wirkung zum 14. Dezember 2007 den Verkauf des Geschäftsfeldes Intraokularchirurgie abgeschlossen. Der Verkauf erfolgte an die niederländische Procornea Holding B.V., die sich auf die Entwicklung und Fertigung von Intraokularlinsen und Kontaktlinsen spezialisiert hat. In Zukunft wird sich die WaveLight AG ganz auf ihre Kernkompetenz im Bereich der Lasersysteme für die Refraktivchirurgie konzentrieren.


SONSTIGES

+ + + MEDICA 2007 PostView: Trotz Bahnstreiks Vorjahresniveau gehalten + + +        
An den vier Messetagen (14. - 17.11.) kamen Mitte November 2007 trotz erheblicher Behinderungen durch die flächendeckenden Bahnstreiks rund 137.000 Fachbesucher aus gut 100 Ländern zur Düsseldorfer Messe (2006: 137.500 Besucher). Der Anteil internationaler Besucher lag bei 40 Prozent. Von den mehr als 4.300 Ausstellern wurde ein breites Spektrum an Neuheiten für die ambulante und stationäre Versorgung geboten.
Termin der nächsten MEDICA in Düsseldorf: 19. - 22.11.2008
Termin der nächsten COMPAMED in Düsseldorf: 19. – 21.11.2008

Messe-Informationen und Unternehmens-Nachrichten der Aussteller:
http://www.medica.de und http://www.compamed.de

+ + + Tuttlingen soll Medizintechnik-Hochschule bekommen + + +
Die Planungen für Tuttlingen als Standort für eine Hochschule mit einem Schwerpunkt Medizintechnik laufen bereits, obwohl verbindliche Entscheidungen aus der Landeshauptstadt Stuttgart noch ausstehen. Nach unbestätigten Berichten in der regionalen Presse wird die Fachhochschule Furtwangen drei ihrer Studiengänge (Fertigungstechnik, Feingerätetechnik und Medizintechnik) nach Tuttlingen auslagern. Etwa die Hälfte der Kosten soll danach von Tuttlinger Unternehmen übernommen werden. Man ist optimistisch, den Lehrbetrieb zum Wintersemester 2008/2009 mit gut 100 Studenten beginnen zu können. Damit ist wohl eine ursprünglich angedachte Einrichtung in privater Trägerschaft endgültig vom Tisch. Auch scheint sich Furtwangen inzwischen als Kooperationspartner gegen Villingen-Schwenningen und Konstanz durchgesetzt zu haben.

Meldung in der Südwest Presse vom 30.11.2007
http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/suedwestumschau/3257084/
artikel.php?SWAID=e90bfb0ac235c94227adb9e2203bd4f6


Meldung bei Schwäbische Zeitung online vom 19.11.2007:
http://www.szon.de/lokales/tuttlingen/stadt/200711200421.html


+ + + Neue Exzellenzakademie: Adaptive Implantate + + +
Die Dritte Exzellenzakademie in der Medizintechnik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) widmet sich dem Thema „Adaptive Implantate in der Medizin" und soll 20 besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Vorträgen, Praktika und Laborbesichtigungen mit dem neuesten Stand dieses Forschungsfeldes vertraut machen. Die Exzellenzakademie wird von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) veranstaltet und von der DFG gefördert.

Weiterführende Informationen: http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/foerderinitiativen_projektgruppen/projektgruppen/projektgruppe_
medizintechnik/exzellenzakademie_medizintechnik/index.html


PERSONALIA

+ + + Herr Professor Dr. HUGO HÄMMERLE wird neuer Institutsleiter und Stiftungsvorstand des NMI
Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut in Reutlingen. Er wird am 1. Februar 2008 die Nachfolge von Herrn Dr. Enzio Müller antreten. Mit über 120 Mitarbeitern aus allen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen forscht das NMI für die Gesundheitsbranchen Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik.

+ + + Herr Professor Dr. WILLI  A. KALENDER, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Physik an der Universität Erlangen-Nürnberg, hat am 29. November 2007 von der Europäischen Wissenschaftsstiftung in Anerkennung seiner herausragenden Forschungsbeiträge auf dem Gebiet der medizinischen Bildgebung den diesjährigen Latsis-Preis verliehen bekommen, der mit 100.000 Schweizer Franken dotiert ist. Zu Professor Kalenders herausragenden Leistungen gehört unter anderem die Entwicklung der Spiral-Computertomographie, welche die radiologische Diagnostik revolutionierte und bis heute Standards in der medizinischen Bildgebung setzt. Die Jury des Latsis-Preises würdigte außerdem die Beiträge Professor Kalenders zur Verringerung der Strahlendosis für Patienten bei der Computertomographie und die Entwicklung von quantitativen Messverfahren.


DAS ALLERLETZTE

+ + + Elektrische Zigaretten: Ein starker Tobak? + + +
Elektrische Zigaretten wie beispielsweise etwa die auf einer Zerstäubung basierende Ruyan, das Produkt eines cleveren chinesischen Herstellers, finden derzeit eine boomartige Verbreitung, deren Höhepunkt noch lange nicht erreicht zu sein scheint. Die Anbieter im Internet feiern solche Produkte als Weltneuheiten, die das Rauchen und die Entwöhnung revolutionieren. Der Rauch besteht bei ihnen in erster Linie aus Wasserdampf mit Nikotin, enthält also nicht wie beim herkömmlichen Rauchen Schadstoffe wie Teer oder Kohlenmonoxid. Die zugehörigen Ampullen sind in verschiedenen Stärken erhältlich, sozusagen von „selbstgedreht ohne Filter" bis hin zu „aromatisiert ohne Nikotin". In Verbraucherforen findet man neben euphorischen Erfahrungsberichten von ehemaligen starken Rauchern auch zahlreiche Mitteilungen von enttäuschten Käufern, die sich über eine mangelhafte Funktion und technische Defekte der Produkte beklagen. In Österreich wurden elektrische Zigaretten, Zigarillos und Zigarren zu teilweise stolzen Preisen auch schon mit Methoden von Strukturvertrieben in den Markt gedrückt. Das zuständige österreichische Bundesministerium hat inzwischen entschieden, dass elektrisch betriebene Nikotininhalatoren unter die Bestimmungen des Medizinproduktegesetzes (Inhalationsteil) und des Arzneimittelgesetzes (Nikotinampullen) fallen.

Wikipedia zur rauchlosen Zigarette:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rauchlose_Zigarette

Einstufung von Nikotin-Inhalatoren als Medizinprodukte:
http://www.ages.at/web/ages/content.nsf/73b5f92ac245b957c1256a9a004e1676/
01c733ea28c3c964c12572bf0051dc7e/$FILE/070427_BASG_Nikotininhalatoren_Information.pdf

Gutachten zur Pharmakologie/Toxikologie:
http://www.rauchmit.de/download/gutachten.pdf
 

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