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Von Dr. med. Andreas Boschann

Gesundheitsmanagement als Erfolgsfaktor

"Weltweit wird mit immer härteren Bandagen um die Ressource Mensch gekämpft" und "In den Niederlanden werden die Arbeitskräfte knapp" lauten die neuesten Schlagzeilen. Der zunächst nur für die IT-Branche beklagte Fachkräftemangel wird nun europaweit in vielen Fertigungs-, Bildungs- und Ingenieurbereichen akut. Insbesondere der Mittelstand kennt das Stellenbesetzungsproblem. Jedes dritte Unternehmen in Ost- und Westdeutschland kann nicht alle vakanten Stellen besetzen, so das Bonner Institut für Mittelstandsforschung. Die Green Card-Diskussion hat schließlich erneut gezeigt, dass das Humankapital als Bestand an technischem Wissen und an Fähigkeiten für moderne Volkswirtschaften ein wichtiger Wachstums- und Wettbewerbsfaktor ist. Doch die Green Card ist kein Allheilmittel. Sie wird die demographische Entwicklung einer überalternden Gesellschaft nicht auffangen und den internationalen Wettbewerb um qualifizierte Menschen verschärfen.

Klar ist, dass Unternehmen die Attraktivität ihrer Arbeitsplätze erhöhen müssen. Dabei werden Gehaltshöhe, flexible Arbeitszeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten nur Mosaiksteinchen im Maßnahmenmix sein. Vielmehr geht es in erster Linie um Maßnahmen der Gesundheits-, Eigenverantwortungs- und Motivationsförderung einzelner Arbeitnehmer. Zum integrierten Gesundheitsmanagement, wie es die internationale Unternehmensgruppe TÜV Rheinland Group in Firmen umsetzt, gehört es, über die klassischen Instrumente des Arbeitsschutzes hinaus, unter anderem Gesundheitsrisiken durch Stress und Bewegungsarmut mit Hilfe neuer Verhaltensregeln zu minimieren. Gesunde Mitarbeiter zu haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn Gesundheitsprobleme wie psycho-vegetative Störungen, Burn-out-Symptomatiken, Sick-Building-Syndrom, chemische Hypersensibilität und körperliche Beschwerden wie Arm-, Kopf- und Rückenschmerzen nehmen weltweit zu. Verletzungen und arbeitsbedingte Erkrankungen führen jedes Jahr europaweit zu Fehlzeiten von circa 600 Millionen Arbeitstagen und zu wirtschaftlichen Kosten zwischen 185 und 270 Milliarden Euro. Angesichts der knappen Ressource "qualifizierter Mitarbeiter" ist es wichtig, diese nicht durch Krankheit und Unzufriedenheit zusätzlich zu gefährden. Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz werden zentrale Bestandteile einer modernen Beschäftigungsstrategie.

Erkannt haben dies beispielsweise Unternehmen wie BASF oder Hoechst, die in ihren Jahresberichten neben Umweltschutz auch den firmeneigenen Arbeits- und Gesundheitsschutz als besonderes Qualitätskriterium herausstellen. Damit sind nicht die routinemäßig ablaufenden Vorsorgeuntersuchungen oder ein Nebeneinander von Einzelmaßnahmen zum Arbeitsschutz gemeint.

Vielmehr ist ein ganzheitliches Gesundheitsschutzkonzept für Mitarbeiter gefragt. Der Arbeitsmediziner ist fachspezifischer Unternehmensberater. Er unterstützt den Arbeitgeber beispielsweise bei der Optimierung von Arbeitsabläufen, Verfahren und Schichtsystemen, bei der Umsetzung entsprechender rechtlicher Vorschriften und ist Provider des Gesundheits- und Arbeitsschutzmanagements im Betrieb. Das ganzheitliche Gesundheitskonzept berücksichtigt Fragen zu physikalischen und chemischen Belastungen ebenso wie zur Arbeitsplatz- und Software-Ergonomie oder zur psychomentalen Betreuung von Mitarbeitern. Auch entwickelt sich die Tropen- und Reisemedizin aufgrund der intensiven Reisetätigkeit von Arbeitern und Angestellten im globalen Business zu einer wichtigen Teildisziplin. Das Dienstleistungsspektrum erstreckt sich von Arbeitsplatzanalysen und Gefährdungsanalysen nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Biostoffverordnung über die Beratung bei Baumaßnahmen und zu Tele-Arbeitsplätzen bis zur Unterstützung im Stressmanagement. Im ganzheitlichen Gesundheitsmanagement werden die Bereiche der Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und der Betriebspsychologie integriert. Entsprechend unterschiedlicher fachlicher Herkunft sind die Berater der Arbeitsmedizinischen Dienste GmbH (AMD), Tochterunternehmen der TÜV Rheinland Group. Mit insgesamt 250 Ärzten, medizinisch-technischen Assistentinnen, Sicherheits- und Prüfingenieuren fördert AMD eine aktive betriebliche Gesundheitspolitik. Sie wird auch von Unternehmensberatungen angenommen, die integriertes Gesundheitsmanagement als zunehmend wichtigen Teil der Unternehmenskultur erkennen und als Erfolgsfaktor für Mitarbeiter und Unternehmen ausmachen.

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