Wir erfinden den innovativen Fußball

von Ingo Nöhr

Wir danken dem Verlag MEDI-LEARN.net GbR für die freundliche Erlaubnis, Cartoons von Rippenspreizer verwenden zu dürfen. Mehr Cartoons sind unter http://www.medi-learn.de/cartoons/ zu finden.
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Innovationsmanagement ist jetzt gerade angesagt. Die Regierungen von Bund und Länder haben Hunderte von Millionen Euro Fördergelder für neue Ideen im Gesundheitswesen bereitgestellt. Eine Googlesuche mit dem Stichwort „Innovationsprogramm Gesundheit Deutschland“ liefert 105.000 Einträge.

Da wird es doch langsam Zeit, auch im Fußball ein paar Innovationen einzuführen. Bei dieser WM sind die klassischen Favoriten aus Europa wie Italien, Spanien und England beschämt nach Hause gefahren.Auch Brasilien hat sich anfangs nicht mit Ruhm bekleckert. Sie konnten den aufstreben­den Fußballzwergen wie Costa Rica, Algerien, Kroatien, Kolumbien und Nigeria keinen Ideen­fußball entgegensetzen.

Ingo und Jupp haben sich daher beim letzten Match Deutschland gegen USA innovative Gedanken gemacht, die allerdings jeden echten Fußballfan mit Grausen abwenden lassen.

Ingo, spannend sind doch eigentlich nur die Kampfszenen vor dem Tor. Man könnte doch das Spielfeld so verkleinern, dass der eigene Strafraum direkt an den gegnerischen Strafraum grenzt. Dann hat man auch nicht so viel leeren Platz um die Spieler herum. Und das Spieltempo wird enorm erhöht.

Jupp, du vergißt aber, dass die Duelle von Angriff und sofortigem Gegenangriff auch viel Spannung erzeugen. Denk doch mal an das Spiel Argentinien gegen Nigeria, als in der 3. und 4. Minute schon gleich zwei Tore gefallen sind. Und nach der Halbzeitpause passierte das Gleiche noch einmal innerhalb von zwei Minuten. Ich würde daher das Spielfeld in der Längsrichtung nicht verkürzen, es dafür aber halb so breit machen. Damit bei einem Aus nicht dauernd der Einwurf das Spiel unterbricht, sollte man an den Seiten hohe Wände anbringen. Dann kann von den Fußballern der seitliche Pingpongeffekt genutzt werden. Das bringt bei den Pässen mehr Kreativität in der Ballführung.

Ingo, mal langsam. Wände wirken doch wie eine Mauer, da sehen die unteren Ränge garnichts mehr. Deine Wände sollten besser aus durchsichtigem Material sein. Das gibt nebenbei einen Kitzel, wenn du den Ball direkt auf dich in der Zuschauerreihe zufliegen siehst.

Jupp, gute Idee. Was anderes. Nervt dich nicht auch diese Wehleidigkeit der Spieler? Bei jedem Foul wälzen die sich theatralisch im Quasi-Todeskampf auf dem Rasen. Unsereiner würde bei einer solchen Show einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt zu erwarten haben. Was hältst Du von meiner Idee, dass wir die Fußballer durch Profi-Catcher ersetzen? Das sind professionelle Showleute und die können die tollsten artistischen Stürze und brutalsten Fouls fernsehgerecht präsentieren, ohne sich dabei ernsthaft zu verletzen. Natürlich sollten sie auch manchmal den Ball treffen, damit das Spiel weitergeht.

Ingo, du bist nicht auf dem Laufenden. Die Catcher heißen jetzt Wrestler. Das erinnert mich an diesen Werbefilm von Dingsbums-Cola, wo eine Fußballmannschaft im japanischen Trainings­camp auf eine Gruppe von Sumo-Ringern stößt. Du lachst dich tot, wenn du diesen Clip siehst.

Jupp, da sprichst du gerade einen wichtigen Mangel an. Es fehlt mir an Humor im Fuß­ballspiel, alles ist so bierernst. Wir bräuchten immer wieder ein paar Slapstick-Einlagen von den Spielern. Charly Chaplin und Dick und Doof haben doch ein gewaltiges Potential bereitgestellt. Ich finde, eine ordentliche Prügelei bringt eine gelungene Abwechs­lung in ein langweiliges Spiel.

Ingo, mir kommt gerade eine Idee für die langen Pässe auf dem Feld, besonders die Fehlpässe. Sie sind meistens voraussehbar und bieten keinen Reiz. Wir sollten in dem Fußball eine Art Bumerangfunktion einbauen. Bei einem bestimmten Signal, zum Beispiel mit einer Hundepfeife, kehrt der Ball wieder zum Abschlagenden zurück, wenn er sein Ziel verfehlen sollte.

Jupp, das wird aber schwierig, einem kugelförmigen Flugkörper eine Bumerangschleife beizubringen. Da müßte er schon im Flug ein paar Flügel ausfahren können. Besser, man baut ihm ein paar kleine Düsen zur Navigation ein. dann könnte er auf Autopilot geschaltet werden und so steuert selbständig ein eingegebenes Ziel an.

Ingo, die Steuerung müßte der Torwart aber ausschalten können, sonst hat er nämlich schlechte Karten. Und wenn er beim Abschlag nicht aufpaßt, schießt er sich den Ball durch den Bumerang­effekt wieder in sein eigenes Tor.

Jupp, ja, der arme Torwart. Meistens steht er doch ziemlich gelangweilt herum und seine zeitlichen Arbeitsressourcen werden überhaupt nicht adäquat genutzt. Er könnte doch in der Zeit des Leerlaufs die Zuschauer mit ein paar artistischen Einlagen unterhalten. Eine kleine Zauberschau wäre auch nicht schlecht.

Ingo, aber der Torwart muß schon oft unplanmäßig und schlagartig Höchstleistungen vollbringen. Da ist es schlecht, wenn er in kritischen Situationen vor seinem Tor gerade mit seiner Showdar­bietung beschäftigt ist. Und schau dir nur mal die Elfmetersituation an. Meistens hat der Torwart keine Chance, den Ball auf diese Distanz zu halten. Ich bin dafür, dass Elfmeter rückwärts geschossen werden sollten, weißt du, so mit einem Fallrückzieher. Das sähe doch Klasse aus.

Jupp, du hast recht. Wir müssen aber auch was gegen die Wut der Zuschauer machen, zum Beispiel bei einer krassen Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Bei  Erreichen eines definierten Lärmpegels durch das wütende Geschrei der Zuschauer wird das Spiel für drei Minuten unterbrochen. Die benachteiligte Mannschaft darf dann in dieser Zeit den Schiri mit Baseballschlägern aus Schaumgummi verhauen.

Ja, genau, Ingo. Im Gegenzug soll der Schiri bei Vergabe einer gelben Karte den Delinquenten zur Strafe die Ohren lang ziehen. Und bei einer Roten Karte wird er vom Gefoulten oder dessen Kame­raden mit einem ordentlichen Fußtritt auf die Reservebank befördert.

Ingo, wir müssen dem Klinsmann sofort eine Mail schicken. Die Amerikaner entdecken gerade den  Reiz des Fußballs. Da könnten sie unsere Ideen doch gleich in das Regelwerk einbauen.

Genau, die Amis sind für telegene Szenen immer zu haben. Was meinst Du, Jupp, sind wir jetzt innovativ genug, um auch an den Förderprojekten im Gesundheitswesen teilzu­nehmen?

Na klar, Ingo, wenn endlich die elendlange WM-Zeit vorbei ist, werden wir uns mal wieder mit den Innovationen im Krankenhaus befassen. Eigentlich kommen wir da schon fast zu spät. Du findest  kaum noch ein Produkt auf dem Markt, welches nach Meinung des Herstellers nicht innovativ ist.

Jupp, das sieht so aus. Wir brauchen einen TÜV oder besser eine Stiftung Warentest, die alle angepriesenen Produkte zunächst auf einen Prüfstand legt und nach guten Ideen absucht. Wenn nichts gefunden wird, gibt es das Zertifikat: „garantiert innovationsfreies Produkt“ 

Das kann ja durchaus auch positiv ankommen, schließlich wissen viele Patienten noch Altbewähr­tes zu schätzen.

Klar, Jupp, das kennt man doch von unserem Nachwuchs zu Hause: der ist ebenso hoch-innovativ, voller neuer Ideen, aber leider auch höchstanfällig für alle Kinderkrankheiten. Gut Ding muss reifen. 

Wirklich innovativ ist man nur dann, wenn einmal etwas danebengegangen ist.

(Woody Allen)

 

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