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INGOs NÖHRgeleien 2026

von Ingo Nöhr

Über Bier, Bibel und den Weltuntergang

Ingo Nöhr zum 1. Februar 2026

Über Bier, Bibel und den Weltuntergang

Ingo betrachtete Jupp über den Rand seines Bierglases.
„Du siehst aus, als hättest du heute zu viel Weltlage konsumiert.“

Jupp seufzte. „Ich wollte eigentlich nur Fußballergebnisse. Dann lief plötzlich eine Doku über die USA. Seitdem habe ich Weltuntergang und Magenschmerzen.“

„Trump?“

„Trump 2.0.“ Jupp schüttelte den Kopf. „Das ist keine Politik mehr. Das ist eine Reality-Show mit Atomwaffen. Früher waren das unsere Partner. Heute sind sie ein Feindbild mit Fahne und Gott auf der Motorhaube.“

Ingo nickte langsam. „Ein Möchtegern-Diktator, der sich für den Erlöser hält.“

„Und sich benimmt wie der Rächer aus einem schlechten Western“, ergänzte Jupp. „Grenzüberschreitungen im Stundentakt, Korruption wie aus dem Lehrbuch, Zölle, Militär in den Innenstädten. Maskierte ICE-Leute, Verhaftungen, Erschießungen. Und alle tun so, als wäre das „normale Innenpolitik.“

Ingo lehnte sich zurück. „Ein Optimist sagte mir einmal, wir lebten in der besten aller möglichen Welten.“

Jupp lachte kurz. „Der muss betrunken gewesen sein.“

„Vielleicht hat er recht“, sagte Ingo. „und meinte: Schlimmer geht immer. Die Weltuntergangsuhr steht seit letzter Woche bei 85 Sekunden vor Mitternacht. So nah waren wir noch nie.“

„Sekunden“, murmelte Jupp. „Früher hatten wir wenigstens Minuten. Heute nicht mal mehr eine Kaffeepause.“

„1947 waren es sieben Minuten“, fuhr Ingo fort. „Nach dem Mauerfall siebzehn. Und jetzt? Sekunden. Weil niemand mehr zuhört, niemand mehr Konsequenzen fürchtet. Alles rauscht durch, ein Skandal jagt den nächsten.“

Jupp starrte in sein Glas. „Und hierzulande? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Morgens das Radio, abends die Nachrichten – alles fühlt sich falsch an. Diese Regierung redet und redet. Ein Prozent Wachstum verkaufen sie uns als Erfolg. Ein Prozent. Und davon ist mehr als die Hälfte geliehenes Geld – Schulden, die sie früher verteufelt haben.“

„Die berühmte schwarze Null mit Gedächtnislücke“, sagte Ingo.

„Und dann sagen sie uns, wir müssten uns mehr anstrengen“, fuhr Jupp fort. „Ich kenne niemanden, der nicht schon am Anschlag arbeitet. Aber die, die das sagen, zahlen nicht mal in die Rentenkasse ein.“

Ingo nickte. „Originalton Wirtschaftsministerin Reiche: Die Deutschen können nicht ein Drittel ihres Lebens auf Kosten der Allgemeinheit im Ruhestand verbringen“. Dabei erwartet sie selbst eine monatliche Rente von über 5.000 Euro.“

Jupp erinnert sich plötzlich: „Als Staatssekretärin unter Peter Altmaier hat sie die deutsche Solarindustrie in Grund und Boden reguliert.“

„Gutes Gedächtnis, Jupp. Wir sollen mehr arbeiten. Letztes Jahr ist die Zahl der Milliardäre um ein Drittel auf 172 gestiegen. Ein Fünftel der Bevölkerung lebt in Armut. Der Oxfam-Report zur sozialen Ungleichheit 2026 zeigt, dass weltweit das Vermögen von Milliardären in nur einem Jahr um 2,5 Billionen US-Dollar gewachsen ist, was fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung entspricht.“

„In vier Sekunden verdient Elon Musk ein Jahresgehalt eines Arbeiters“, sagte Jupp. „Vier Sekunden. So lange brauche ich, um mir die Jacke anzuziehen.“

Sie schwiegen einen Moment.

„Weißt du, was mich am meisten beunruhigt?“, sagte Jupp schließlich. „Die Aggression richtet sich nach unten. Gegen Obdachlose, Geflüchtete, Schwache. In Berlin haben sie einen Kältebus angezündet. Einen verdammten Kältebus. Den letzten, der noch funktionierte.“

Ingo sah ihn an. „Das ist kein Zufall. Wirtschaftliche Unsicherheit, Wohnungsnot, politische Sprache, die verroht. Wenn Menschen Angst haben, suchen sie Schuldige. Und treten nach unten. Elon Musk hat sein X bewusst dafür geöffnet, schon um mehr kommerziell nutzbaren Traffic zu generieren. Ich glaube, wir erleben gerade den Raubtier-Kapitalismus in seiner Endphase. Die Kontrolleure wurden alle ausgeschaltet.“

„Und die da oben klatschen“, sagte Jupp. „Trump, Putin, Netanjahu – alle erzählen vom inneren Feind. Von Parasiten. Von Terroristen im eigenen Land. Und Kanzler Merz beklagt sich über ‚das Stadtbild‘.“

„Sprache formt Wirklichkeit“, sagte Ingo. „Und Gewalt wird moralisch aufgeladen. Mit Nation. Mit Ordnung. Mit Gott.“

Jupp hob den Blick. „Stimmt. Überall Gott. Die USA fühlen sich als göttlich gesegnetes und verheißenes Land. Donald Trump selbst sieht sich als Gottgesandter, um Amerika zu retten. Auf jedem Dollar steht: In God We Trust.

„Und im Vatikan sitzt jetzt ein Papst aus Chicago“, sagte Ingo. „Da frage ich mich manchmal, warum man aus Rom so wenig hört. Warum Leo der Vierzehnte diesen Leuten nicht einfach das Lukas-Evangelium um die Ohren knallt.“

Jupp grinste schief. „Der mit dem reichen Mann und dem armen Lazarus?“

„Genau der. Der Reiche schmort in der Hölle, der Arme landet in Abrahams Schoß. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

„Das passt nicht zum American Dream“, sagte Jupp. „Da gilt: Wer reich ist, ist gesegnet. Er hat es verdient. Wer arm ist, selber schuld.“

Ingo nahm einen Schluck. „Vielleicht passt dann Micha besser: Schwerter zu Pflugscharen.“

„Oder Matthäus“, sagte Jupp. „Für unseren kriegerischen Kandidaten auf den Friedensnobelpreis: Wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert umkommen. Vielleicht sollte der Papst das mal twittern.“

Ingo stellte sein Glas ab. „Wie dem auch sei. Nach so viel Bibelstudium haben wir uns eine Stärkung verdient.“

„Aber bitte keinen Wein“, sagte Jupp. „Der kommt mir heute zu religiös vor.“

„Dann Bier“, entschied Ingo. „Laut Moses auch erlaubt. Unbiblisch, ehrlich und bodenständig.“

Jupp hob die Hand. „Herr Wirt! Zwei Bier für den erlauchten Bibelkreis. Und bitte kalt – wir sind schon heiß genug.“

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Vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 19-31)

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag vor seiner Tür, der war voll von Geschwüren und begehrte sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tisch fiel, doch kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 

Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.

Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. 

Abraham aber sprach: Gedenke, Kind, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. Und in all dem besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber. 

Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. 

Abraham aber sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. 

Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Schwerter zu Pflugscharen (Micha 4,3)

„Er wird unter vielen Völkern richten und mächtige Nationen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Durchs Schwert umkommen (Matthäus 26,52)

„Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen.“

 

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von Ingo Nöhr

Gegenwart genießen und die Zukunft abwarten?

Ingo Nöhr zum 1. Januar 2026

Unsere zitiergewaltigen Manager-Pensionäre haben wieder ein wildes Jahr überstanden und halten traditionsgemäß nach dem Jahreswechsel einen Rückblick, diesmal aber gleich über fünf Jahre, gemäß dem Motto von Konfuzius: „Wenn der Mensch nicht über das nachdenkt, was in ferner Zukunft liegt, wird er das schon in naher Zukunft bereuen.“
Und zum Nachdenken bietet sich natürlich ein Blick in die protokollierten Gespräche vom Januar 2021 an. Was haben sie vorausgesagt, welche Überraschungen zeigten sich und was erwarten sie von den nächsten fünf Jahren? Wer die beiden kennengelernt hat, darf wieder diametral abweichende Einschätzungen erwarten.

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  • Jupp: Mann, Ingo, jetzt ist schon wieder ein Jahr vorbei. Wer weiß, was wir alles verpasst haben, seit wir den öffentlichen Medien ausweichen. Aber du weißt doch: „Wer die Gegenwart genießt, hat in Zukunft eine wunderbare Vergangenheit.“

Ingo: Ich habe diese Ruhe vor den täglichen Horrormeldungen genossen und den permanenten Tratsch um die aktuellen Aufgeregtheiten in keiner Weise vermisst. „Nur wer sorglos in die Zukunft blicken konnte, genoss mit gutem Gefühl die Gegenwart.“

Wir sollten nicht nur das vergangene Jahr betrachten, sondern gleich mal die letzten fünf Jahre analysieren. Dann sehen wir, was von den früheren Sensationen eigentlich Bestand hatte. Winston Churchill sagte mal „Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen.“

  • Jupp: Gute Idee. Schauen wir doch mal in das Protokoll vom Januar 2021 rein. Da fällt mir gleich das Zitat von Wilhelm von Humboldt ins Auge: „Man muss die Zukunft abwarten und die Gegenwart genießen oder ertragen.“ Es war wohl gerade eine aufregende Zeit: „Donald Trump kämpft auch nach Wochen verbissen und aussichtlos gegen seine verlorene Wahl an. Die EU hat in letzter Minute noch einen Brexit-Vertrag hinbekommen. Die Corona-Seuche ist mit eintausend Toten täglich endgültig außer Kontrolle geraten“ hat unser Chronist damals vermerkt.

Ingo: Ah, ich sehe gerade: wir haben damals über Echokammern gesprochen. Donald Trump hat diese seitdem bewusst angefüttert: „Unsere Fortbildung über die Welt konzentriert sich auf kurze Twitter-Nachrichten, auf fünf-Minuten-Reports, Schlagzeilen, Stereotypen, Klischees, Zerrbilder. Dadurch entsteht ein neuer Menschentyp – der digitale Homunkulus: technisch hochgetunt und geistig verarmt. Die unendlich feinstufige analoge Welt um uns herum wird digital auf 0 und 1 reduziert. Er ist zu faul, noch geistige Arbeit zu leisten und konsumiert Fast Food zur Steigerung seines Lustgefühls.

Mit den Lebensweisheiten eines Shakespeares, eines Goethe, die Genialität eines Beethovens möchte er sich nicht mehr befassen. Er liebt den Lärm der elektronischen Reizüberflutung. Lieber schaut er sich reißerische Filme, Soap Opera, verzerrte Reality Shows und Verfilmungen von Büchern an.“

Das erinnert mich an einen Gedanken von Albert Camus, den er vor über 60 Jahren mal geäußert hat: „Manchmal denke ich darüber nach, was die Historiker der Zukunft über uns sagen werden. Ein einziger Satz wird ausreichen, um den modernen Menschen zu definieren: Er verzerrt und liest Zeitungen.“

  • Jupp: Genau getroffen damals. Schon vor fünf Jahren erkannten wir: „Viele Menschen sind mit der Komplexität der Welt und der daraus auf sie einströmenden Nachrichten völlig überfordert und klammern sich an einfache Antworten. Sie misstrauen dem Staat und den Politikern und glauben nicht mehr daran, dass diese noch die Interessen der kleinen Leute vertreten. Deswegen ist Trump wohl so lange erfolgreich gewesen: er ist die Identifikationsfigur der wütenden Verlierer. Er pfeift auf die political correctness und demonstriert seinen Anhängern, dass man mit purem Egoismus das politische Establishment in die Verzweiflung treiben kann.“

Ingo: Es gab 2021 nach 16 Jahren Angela Merkel den Regierungswechsel zu Olaf Scholz und seiner berüchtigten Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Wir bekamen mit der Corona-Pandemie die Lockdowns, den Maskenzwang und die Impfvorgaben. Mit dem Ukraine-Krieg begann eine weltweite Energiekrise mit Inflation. Millionen von Flüchtlingen kamen in unser Land und nebenbei wollten wir noch die Klimakatastrophen mit den internationalen Treffen COP26 und COP27 angehen, nicht zuletzt durch den Druck der Fridays-for-Future Bewegung. Wir mussten plötzlich im Home Office arbeiten, durften unsere kranken Kinder und Sterbenden in den Kliniken und Altenheimen nicht besuchen sowie im Park nicht auf einer Bank ein Buch lesen.

  • Jupp: Uns beiden ging es dabei noch gut: wir Rentner hatten unseren Garten und blieben von den massiven Maßnahmen unbehelligt. Aber dennoch hat es unsere Gesellschaft massiv beschädigt und das Vertrauen in unsere Regierungen und Politiker ist gründlich verloren gegangen.
    Wenn ich so die fünf Jahre zurückblicke, muss ich feststellen, dass wir heutzutage noch keines der Probleme in den Bereichen Energie, Klima, Migration, Long- COVID und Fake-News gelöst haben. Dank Donald Trumps erneutes Wüten wird alles noch schlimmer. Es entartet sogar in vorher unvorstellbare Absurditäten.

Ingo: Das bringt mich auf eine Idee: unsere Stammtischgespräche mündeten immer wieder mal in Prognosen. Du als Schwarzseher und ich als Optimist gaben doch ein unterhaltsames Duo ab. Wie siehst du denn die Entwicklungen der nächsten fünf Jahre?

  • Jupp: Guter Vorschlag, Ingo. Ich fühle mich weitgehend bestätigt in meinen früheren Befürchtungen. Fangen wir mal mit der deutschen Regierung an. Die CDU/CSU/SPD-Truppe halte ich für inkompetent und machtlos, die anstehenden Reformen wirksam durchzusetzen, dafür sorgt schon unsere überbordende Bürokratie und die verkrusteten Strukturen im Föderalismus.
    Das Vertrauen der Bürger wird noch mehr abnehmen und die Möglichkeit, zur Strafe der herrschenden Cliquen bei den nächsten Wahlen die AfD entscheidend in die Länderparlamente zu bringen, wird lukrativ. Die gewaltige Neuverschuldung wird sich in Inflation und höheren Steuern niederschlagen, Sozialleistungen müssen dafür gestrichen werden.
    „Ihr müsst mehr arbeiten“ heißt die Parole von Kanzler Merz, er vergisst aber dabei, dass die Reichen mit ihren Vermögen kaum Steuern zahlen und das Beamtenheer sich nicht an den Sozialkosten beteiligt. Die Mittelschicht wird schrumpfen und die Armut weiter steigen. Unsere Wirtschaft wandert aus, unsere Autoindustrie geht kaputt.

Ingo: Interessant, du extrapolierst die Tendenzen einfach weiter in die Zukunft. Ich glaube dagegen immer noch an die Dynamik des komplexen Systems und erwarte korrigierende Reaktionen. Ein schönes Beispiel war doch der knallharte Widerstand der Jungen Union bei der Rentenreform. Die Industrie rationalisiert sich stärker durch KI-Anwendungen, das Internet bietet eine unzensierbare Transparenz in der Medienwelt und kann dadurch Fake-News entlarven.

Extreme Wetterereignisse werden die Bevölkerung klimasensibler machen und die Regierungen massiv unter Druck setzen. Überhaupt wird der wachsende AfD-Erfolg die etablierten Politiker zu überraschenden Zugeständnissen zwingen. Die Brandmauer wird nicht mehr funktionieren und die Jugend probt den Aufstand gegen die verkalkte Politkaste.

  • Jupp: Ja, das hört sich nachvollziehbar an. Aber Ingo, du vergisst, dass der wichtige Anteil der Wähler die Rentner sind und die jungen Rebellen riesige Vermögen erben. Da verpufft der Reformwille an der Behäbigkeit und Faulheit der noch breiten Masse.
    Kommen wir mal zum Weltgeschehen. Ich prophezeie, dass Donald Trump mit seinem brutal-chaotischen Politikstil andere Staatslenker infizieren wird. Sie werden von ihm lernen, dass Frechheit siegt und die schweigende Mehrheit ihres Volkes es zähneknirschend hinnimmt. Die USA wird durch die Zerstörung der staatlichen Gewalten und durch die tief etablierten Trump-Fans einen unwiederbringlichen Schaden erleiden.
    China wird mit seinen BRICS-Kollegen der künftige Gewinner für die Führung der Welt sein. Demokratien werden besonders in Beschuss geraten, der Nationalismus wird hoffähig, neue Autokraten wachsen heran. Geopolitische Konflikte werden sich zu Stellvertreterkriegen ausweiten. Der Klimaschutz wird weiterhin eine untergeordnete Rolle spielen, weil wir uns um allen möglichen Kleinkram kümmern.      

Ingo: Stichwort Trump: ich gebe ihm kein ganzes Jahr mehr, dazu ist seine wachsende Demenz viel zu offensichtlich. JD Vance steht schon in den Startlöchern, aber ein großer Teil der Republikaner wird langsam begreifen, was ihre Politik dem „gottgegebenen“ Land angetan hat. Da gebe ich dir Recht, auch ich glaube, dass China und der globale Süden nun zunehmend dem „alten Westen“ die Vorherrschaft streitig machen wird.  Das Pendel schlägt zurück und bringt durch die enttäuschte US-Wählerschaft wieder realistisch denkende Führungspersönlichkeiten an die Macht.

Ich denke, in den nächsten fünf Jahren wird mit regionalen Allianzen eine Neuorientierung der geopolitischen Mächte stattfinden und die wachsende Klimakrise wird neue Prioritäten schaffen und die internationale Kooperation wieder fördern. Allerdings hat der Gedanke der Demokratie weltweit einen Schaden erlitten und die Sehnsucht nach starken Staatslenkern wächst.

Für mich ist der Einfluss der Künstlichen Intelligenz in Wirtschaft und Gesellschaft noch kaum abzuschätzen. Wir werden Produktionssteigerungen erleben, aber auch steigende Arbeitslosigkeit und Wegfall vieler Berufe. Mehr Smart Homes und Smart Cities, Roboter im Alltag und starke Veränderungen in der Realitätswahrnehmung. Eliezer Yudkowsky und Nate Soares haben gerade einen US-Bestseller mit einer dringenden Warnung veröffentlicht: „If Anyone Builds It, Everyone Dies – Why Superhuman AI Would Kill Us All“, also auf gut deutsch: „Wenn es jemand baut, sterben alle – Warum übermenschliche KI uns alle töten würde.“

  • Jupp: Lieber Ingo, als mein noch analoges Gegenüber werden wir in den nächsten Monaten und Jahren viel Gesprächsstoff vorfinden. Die Zeitenwende ist viel umfangreicher als sich unser naiver Olaf Scholz vorgestellt hat. Seine Bazooka nimmt sich da wie ein verirrter Silvesterkracher aus. Gut, dass wir weiterhin mit unserem realen Gastwirt einen gesicherten Zugang zu unserem geliebten Bier haben.

Ingo: Nun denn: Prost auf die Zukunft, die wir neugierig und hoffentlich angstfrei abwarten können. Denn wie Stefan Zweig schon feststellte: „Nur wer sorglos in die Zukunft blicken konnte, genoss mit gutem Gefühl die Gegenwart.“

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Die Zukunft gehört denen, die an das Schöne ihrer Träume glauben.
(Eleanor Roosevelt)

Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare,
für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.
(Victor Hugo)

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft.
Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit. …
… Das wirklich beängstigende am Totalitarismus ist nicht, dass er Massaker begeht, sondern dass er das Konzept der objektiven Wahrheit angreift:
Er gibt vor, die Vergangenheit wie die Zukunft zu kontrollieren.
(George Orwell)

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